Zöliakie: "Die größte Freude ist, bedenkenlos essen zu können"

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Thomas Baumann Zöliakie Bericht glutenfreie Kuchen und Gebäck

Thomas Baumann ist ein bekannter deutscher Comedy-Autor (Switch, RTL Comedy Nacht) und schreibt satirische Reiseführer. Er ist Kunde der ersten Stunde bei glutenfreier-kuchen.de. Nicht ganz so lustig wie seine Texte waren quälende Magenprobleme – bis er herausfand, dass die Ursache dafür eine Glutenunverträglichkeit ist und er handeln konnte. Hier schildert er seinen Weg zur glutenfreien Ernährung und sagt über Betroffene von Zöliakie: "Unsere größte Freude ist, zu wissen, dass wir etwas bedenkenlos essen können."

Lest hier, was Thomas zu berichten hat.

Essen! Wie wunderbar kann essen sein. Und wie furchtbar kann es sein, wenn man bestimmtes Essen mag, aber seit neulich, nein… seit irgendwann macht einem genau dieses Lieblingsessen Magenprobleme. Wann hatte das eigentlich angefangen? Ich konnte es nicht sagen, es mochten Wochen sein, aber wenn ich zurückdenke, seit wann ich solch einen seltsamen Blähbauch vom Bier bekam, dann waren es Jahre.

Richtig schlimm wurde es nach einer Trennung. Ich schob es auf den Stress. Hoffte, dass nichts in meinem Magen oder Darm wuchs. Ein Pfälzer Handwerker ohne spezielle Ausbildung sagte mit der Sicherheit eines Pastors: „Lass mal das Bier weg.“ Ja schon, er selbst war Weintrinker, aber was hieß das schon? Erst eine hartnäckige Arzthelferin bestand darauf, dass ich mal ein großes Blutbild machen lasse. Ich schob es vor mir her, beschlichen von dem Gefühl, vor meiner Hausärztin dazustehen wie ein schlechter Hypochonder, dem gerade nichts Konkretes einfiel.

Der junge Assistenzarzt, der mir die wichtigsten Erkenntnisse herunterleierte – denn, dass ich Allergiker war, wusste ich –, brummelte über die Worte „Zöliakie, wissen Sie ja“ hinweg. Er war bei seiner Allergieliste schon bei Ginster oder was weiß ich, da beschloss ich doch nachzufragen.

Ab dem nächsten Tag begann ein neues Leben

Und ab dem nächsten Tag begann ein neues Leben! Ich hatte die Lösung des Problems gefunden. Nein, der Befund war nicht weg, würde nie weg sein. Aber ich konnte aktiv etwas tun, nämlich meine Ernährung anpassen! Das ist inzwischen fünf Jahre her. Und ich habe mich schon oft gefragt: hätte man mir geweissagt, dass ich durch die Diagnose einige Kilo zunehmen würde – keine Frage, ich hätte trotzdem gesagt; Los, klär mich auf, was hab ich? Nudeln, Pizza und Bier umschiffen, dafür jedoch die Ersatzprodukte umso mehr genießen – Deal.

Heute bin ich Mitte 50, wiege 83 kg und weiß auch, wie ich mich im Urlaub verhalte. Geh in Albanien zu den Typen, die dir dein Frühstück auf den Grill werfen. Bestell in Frankreich erst, nachdem du sicher bist, dass der Kellner dein Problem verstanden hat. Aber geh nicht in das Restaurant, das auf der Speisetafel den „lustigen“ Zusatz stehen hat: „Maybe our food contains milk, gluten or celery – so what.“ So letzten Sommer an der Costa del sol wirklich passiert.

Man wird unweigerlich Botschafter seiner Sache

Leute, esst weniger Industriezeug, die Hersteller hauen überall Mehl rein, um ihre Produkte billiger zu machen. Eben: es handelt sich um Produkte, nicht Lebensmittel! Und ich sage jedem verständigen Kellner, dass wir Betroffenen mindestens ein Prozent der Bevölkerung ausmachen. Vor allem, dass wir keineswegs Anhänger irgendeiner Mode sind!

Unsere größte Freude ist, zu wissen, dass wir etwas bedenkenlos essen können. Und das ist ein riesiges Glück.

PS: Mit der Arzthelferin bin ich inzwischen verheiratet.


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